Aus vielen Teilen wird ein großes Werk,

Leonberger-Zeitung, 17.04.2008
  Schul-ZeitungAus vielen Teilen wird ein großes Werk „Kunstfest“ der Schellingschule

Leonberg. „Kunst verbindet“ – unter diesem Motto steht das Schulfest der Schellingschule am 26. April. Die Schüler arbeiten an einem Riesenkunstwerk. Jede Klasse bemalt eine Flagge. Zum Fest werden diese nebeneinander gehängt und ergeben so ein einziges großes Bild.

Die elfjährige Zilal kniet vor einer langen Flagge aus weißem Stoff. Die Fahne ist dreimal so lang wie die Schülerin groß ist. Zilal stützt sich mit links ab. In der rechten Hand hält sie einen Schwamm, aus dem ein bisschen rote Farbe tropft. Auf der Flagge ist in dünnen Linien schon ein Herz vorgezeichnet. Die Elfjährige setzt den farbgetränkten Schwamm an, lässt ihn wandern. Die dicke Acrylfarbe zaubert so nach und nach einleuchtend rotes Herz auf den weißen Stoff.

Zilal geht in die sechste Klasse der Leonberger Schellingschule. Neben ihr sitzen Mitschüler aus ihrer und anderen Klassen. Auch sie malen fleißig, mit Schwämmen und Pinseln, mit roter, gelber und blauer Farbe.

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das die Schellingschule mit Hilfe des Leonberger Künstlerehepaares Lange gerade umsetzt: Jede Klasse bemalt eine Flagge. An die 20 sollen es insgesamt werden. Die Motive sind nicht willkürlich gewählt, sie sind aufeinander abgestimmt. Zum großen Schulfest am 26. April sollen die Flaggen dann alle an eine Seite des Schulgebäudes gehängt werden, als ein einziges riesengroßes Bild.

„Die Idee kam uns beim Fest letztes Jahr“, erinnert sich Michael Lange. Der 51-Jährige hat ein Atelier an der Leonberger Bahnhofsstraße, arbeitet als Bildhauer, erschafft Plastiken. Gemeinsam mit den Kunstlehrerinnen Brigitte Herrmann und Luise Bantle betreut er das Projekt. Auch seine Frau Heidrun Lange ist mit im Boot. Das Ehepaar hat selbst zwei Kinder an der Schellingschule. Michael Lange erzählt: „Im letzten Jahr standen wir mit anderen Eltern beisammen.“ Gemeinsam habe man darüber gesprochen, dass sich nicht alle Kinder gut verstehen, dass es Konflikte zwischen den verschiedenen Altersstufen gebe. „Da kam die Idee auf, ein Kunstwerk zu schaffen, an dem alle Schüler mitarbeiten“, sagt Michael Lange.

Bei der Schulleitung rannte Lange mit seiner Idee offene Türen ein. Auch die Kunstlehrerinnen und andere Pädagogen erklärten sich sofort bereit, mitzuhelfen, erdachten mit den Schülern erste Skizzen. Beim Schulfest wird indes nicht nur bereits fertige Schülerkunst präsentiert – die Schüler können vor Ort mit Künstlern arbeiten, den ganzen Samstag lang. Michael Lange hat Kollegen gefragt, ob sie mithelfen möchten. „Sieben oder acht erfahrene Künstler kommen“, erzählt er und lächelt, „sie töpfern mit den Kindern, basteln gemeinsam mit ihnen eine Riesenlibelle aus Metall, ich selbst baue mit Schülern einen Freundschaftsbaum aus Holz.“ Viele der Kunstwerke werden auch nach jenem Samstag in den Gängen der Schellingschule stehen oder an den Wänden hängen.
Und ein bisschen haben die Projekte schon jetzt das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Zilal und ihre Klassenkameraden Gabriella, Merve, Sophia, Steffie und Eugen rufen jedenfalls im Chor: „Wir verstehen uns schon besser mit den anderen.“ Und auch das gehört ein bisschen dazu: „Toll ist auch, dass wir keinen
Unterricht haben, während wir malen.“