Die Farbpigmente und das Leinöl nimmt er mit

LKZ 12.06.2009

LKZ 12 o62009China KopieLeonberg. Er trägt den Namen Leonberg bis nach China. Auf Einladung eines dortigen Künstlerforums reist der Maler und Bildhauer Michael Lange heute für zwei Monate nach Peking.

Von Rainer Enke


"Ich freue mich wahnsinnig auf die zwei Monate künstlerischen Schaffens und Austausches in völlig fremder Kultur", sagt Michael Lange, dem allerdings der lange Flug dorthin nicht ganz geheuer ist. Die Kontakte in das Pekinger Künstlerviertel "Dashanzi 798" im Herzen der Millionenmetropole hat ihm seine Nachbarin Andrea Sedlick vermittelt. Mit deren Familie sind die Langes befreundet, in deren Garten steht Langes Skulptur "Goldener Ring am blauen Baum".

Andrea Sedlick hat beruflich öfters in China und besonders in Peking zu tun. Auf der Kunstmesse Art Peking im vergangenen Jahr hat sie mit einer befreundeten Galeristin eingefädelt, dass Michael Lange für zwei Monate in China arbeiten kann. "Für diese Idee hat sich die Galeristin sofort begeistert, nachdem sie Fotos von meinen Skulpturen gesehen hat", freut sich Lange. Denn gerade die Chinesen lieben die kräftigen Farben Blau, Gold und Rot, die Michael Lange auch gerne verwendet.

Ein halbes Jahr lang hat sich Lange am Chinesischen Institut in Stuttgart "rudimentäre Chinesisch-Kenntnisse in Wort und Schrift" angeeignet, wie er sagt. Er möchte seinen Gastgebern und dem Land nicht völlig unvorbereitet gegenüber treten. Außerdem ist es für Lange ein Gebot der Höflichkeit.

Das Künstlerviertel "Dashanzi 798" im Art District in Peking bietet auf dem riesigen Gelände einer ehemaligen, von der DDR erbauten Fabrik im Bauhausstil 450 bis 500 Künstlern Raum für Ausstellungen. Daneben gibt es Shops, Restaurants und Cafés. "Alle rennen da hin, es liegt in der Beliebtheit auf Rang zwei hinter der Großen Mauer", weiß Lange. "Im Sommer werden viele Europäer hierher eingeladen, weil die klimatischen Verhältnisse da noch erträglich sind, es nicht so oft und viel regnet", sagt der 53-Jährige. Wie viele deutsche Künstler diesen Sommer dabei sein werden, kann er nicht abschätzen.

Gearbeitet und gewohnt wird aber außerhalb der Stadt, im Ort Songzhuang. Dort besteht das Künstlerdorf aus einer großen Ansammlung von Hütten entlang eines Reisfeldes, die einen Innenhof mit einem idyllischen Weingarten umschließen. Auf das gesellige Beisammensein, den Kontakt und Austausch mit Kollegen freut sich Lange ganz besonders. In seinem 450 Quadratmeter großen Atelier kann er sich ohne Einschränkungen frei entfalten. Er wird für sich arbeiten, aber auch zusammen mit Künstlerkollegen aus aller Welt beispielsweise eine große Skulptur schaffen. Sie wird vor der Internationalen Schule aufgestellt, und dort ihren Platz behalten. Langes Bilder und Skulpturen bleiben auch nach seiner Abreise in "Dashanzi 798" ausgestellt, die Galeristin wird sich um den Verkauf bemühen.

Vor allem seine selbst hergestellten kräftigen Farbpigmente nimmt Lange mit nach China. "Von jedem ein Kilo, so viel, wie eben in den Koffer passt", sagt er. Und auch das sehr teure und gute Leinöl geht mit auf die weite Reise. Lange freut sich auf China, zumal er über Beziehungen bei Bedarf eine Deutsch, Englisch und Chinesisch sprechende Dolmetscherin zur Seite hat.

Einzig die Sehnsucht nach seiner Familie treibt ihn heute schon um. Mit Laptop und Internet-Telefonie hofft er, häufige Kontakte nach Leonberg zu bekommen. Sein Visum für die Volksrepublik hat eine Gültigkeit von sechs Monaten. Möglich und nicht ganz ausgeschlossen wäre damit ein weiterer Besuch in der Weihnachtszeit im Reich der Mitte. Eines, und da ist sich Michael Lange ganz sicher, wird er in China bestimmt nicht vermissen: Den Staub und den Lärm der Abrissarbeiten auf dem Wüstenrot-Areal, direkt hinter seinem Atelier.