Kunstwerke und Farben sind selbst gemacht

veröffentlicht am 14.01.2011 - Stuttgarter Zeitung

Am Anfang haben die Schüler gedacht, dass man bei ihren Werken unbedingt etwas erkennen muss. Das ist aber nicht so", beschreibt Michael Lange den Zugang zur abstrakten Kunst, den er den Kursteilnehmern vermitteln will. Sein Angebot ist Teil der Nachmittagsbetreuung an der Leonberger Pestalozzischule. Fünf bis zehn Kinder kommen regelmäßig. "Die Schüler stellen sich unheimlich geschickt an und es macht ihnen Spaß", so der Künstler.

Zurzeit arbeiten die Kinder gemeinsam an einem Objekt aus Holz. Genauer gesagt entwerfen die Schüler gerade Modelle aus Dachlatten für einen abstrakten Baum, der künftig auf dem Schulhof seinen Platz finden soll. Michael Lange betreute ein ähnliches Projekt bereits an der Schellingschule. "Man soll sich am Ende darauf oder darunter setzen können", sagt er. Also heißt es für die Schüler: Bohren, schrauben und sägen. Der 15-jährige Vedat Ok hat schon drei Modelle entworfen, momentan werkelt er an seinem vierten Kunstwerk. "Ich mag es, neue und vor allem bunte Dinge zu entwerfen", sagt er. Denn was jetzt noch in glänzendem Weiß erstrahlt, soll später einmal mit satten Farben bemalt werden. "Und die stellen wir selbst her, aus öligem Bindemittel und verschiedenen Pigmenten", erklärt Michael Lange.

Seit Schuljahresbeginn bietet er den Kurs an der Pestalozzischule an. Seine Frau hilft ihm bei der Betreuung.
image001Auch Heide Matthias vom Verein Schulmappe schaut des öfteren in der Kunst-AG vorbei. Sie war es, die den Kontakt zwischen dem Künstler und der Pestalozzischule herstellte. Matthias hatte in Kronau einst eine Lange-Ausstellung besucht und war so auf den Künstler aufmerksam geworden.


Das erste Projekt, das die Schüler zusammen mit Michael Lange angingen, war eine knallbunte Skulptur, für die sie ein Drahtgestell mit einer Masse aus Zeitungspapier und Kleister überzogen und danach bemalten. "Was dabei herausgekommen ist, ist phänomenal", sagt Lange.
factum / simon granville

Auch Schuldirektor Volker Philippin ist begeistert darüber, wie die Schüler während der AG bei der Sache sind. "Man merkt eben, dass ein Künstler einen solchen Kurs ganz anders leiten kann als ein Lehrer", sagt er. Solche Angebote beschreibt der Schulleiter als "Leuchtturm-AGs", die aus dem Alltag der Schüler herausragen. "Diese Schmankerl werden von Ehrenamtlichen geleitet, die ihr Thema mit voller Leidenschaft und Herzblut angehen", sagt Philippin. Was natürlich kein schlechtes Licht auf die anderen Nachmittagskurse werfen soll, die von Lehrern geführt werden - der Schuldirektor etwa leitet die Fußball-AG.

Bisher laufe der Kurs wirklich prima, so Lange. "Man muss nur schauen, dass es keinen Leerlauf gibt und sich immer etwas Neues einfallen lassen." Denn wäre es den Schülern langweilig, würden sie auch nicht mehr erscheinen - die Teilnahme ist keine Pflicht. Dennoch nehmen etwa 90 Prozent der Schüler an mindestens einer Nachmittags-AG teil. Der 16-jährige Giovanni Haziri etwa besucht - wie viele seiner Altersgenossen - neben der Kunst- auch noch die Fußball-AG. "Am Kunstkurs gefällt mir aber, dass ich hier handwerklich rangehen kann. Ich möchte später nämlich einmal Industriemechaniker werden", sagt er.

In den Baum, der künftig auf dem Schulhof stehen wird, will Michael Lange Elemente von allen Modellen aufnehmen, die seine Schützlinge entworfen haben. Vier bis fünf Meter hoch soll das Gebilde am Ende werden. "Dazu brauchen wir noch einige dicke Schrauben und ein paar Baumstämme", sagt er. Damit es am Ende, wie auf dem Schellingschulhof, heißen kann: "Einmal lässig drauflehnen, bitte."